Mittwoch, 14. Januar 2009

Entropa: Europa in schockigen Klischees als Realsatire

Autobahnen in Hakenkreuz-Anordnung für Deutschland, Atommeiler für Österreich, eine "Hocktoilette" für Bulgarien, Ikea-Möbel für Schweden oder ein Goldklumpen mit Schild "For sale" für Luxemburg. Die in Brüssel aufgestellte Großinstallation Entropa des Bildhauers David Cerny setzt auf Schocker für die europäische Politik.

Hatten sich andere Länder wie Frankreich oder Slowenien mit eher belanglosen Kunstwerken beim Antritt ihrer EU-Präsidentschaft begnügt, so wählte die tschechische Regierung dazu den bekannt streitlustigen Künstler David Cerny aus. Er entwarf ein 16 mal 16 Meter großes und sieben Tonnen schweres “Puzzle” mit den Umrissen der EU-Staaten, das am Montag dieser Woche vor dem Brüsseler Sitz des EU-Ministerrates aufgestellt wurde.

Spice Gold, Spice Diamond, Spice Silver


Als eine “spielerische Analyse der nationalen Stereotypen” versteht Cerny sein Werk. Die Inhalte eckten jedoch sogleich überall an. Spätestens, als die Politiker bemerkten, dass die Namen der angegebenen “Künstler aus 27 Nationen” wohl auch reine Kunstwerke und frei erfunden sind, verloren sie die Geduld. „Das Werk sollte Künstler aus allen 27 EU-Ländern beteiligen“, sagte der tschechische Europaminister Alexandr Vondra. „Cerny trägt die volle Verantwortung dafür, seine Verpflichtungen und Versprechen nicht eingehalten zu haben.“ Cerny entschuldigte sich unterdessen in einem Schreiben bei der tschechischen EU-Führung. Es sei nicht beabsichtigt gewesen, dass Politiker „für diese Art der politisch inkorrekten Satire Verantwortung übernehmen müssen“.


Touch the Spirit of Bali!


„Wir wollten herausfinden, ob Europa über sich selbst lachen kann“, schrieb unterdessen Cerny in einem offenen Brief. Das ursprüngliche Konzept habe aus Gründen der Zeit, Produktion und Finanzen nicht verwirklicht werden können. „Ohne Wissen des Außenamts“ habe er sich deshalb entschieden, gemeinsam mit den tschechischen Künstlern Kristof Kintera und Tomas Pospiszyl ans Werk zu gehen. Sogar Internet-Seiten richteten sie für einzelne der erfundenen Identitäten ein.

Quelle: wort.lu

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